MOF#022 „Square Fit“ – Instagram-Unschärfehintergrund: Ja oder nein oder wie?

„Unschärfe im Hintergrund ist toll, Profifotografen machen das auch!“ – „Das Quadrat muss ausgefüllt sein“ – „Das ist in, also muss man das machen“ – Solche und noch viel mehr Argumente hört man, wenn man Instagram-User fragt, warum sie nicht-quadratischen Bildern einen Unschärfehintergrund hinzufügen. Manchmal sieht das gut aus. Manchmal macht es ein Bild aber auch total kaputt. Worauf du achten solltest, liest du hier.

Worum geht es eigentlich?

Instagram bevorzugt quadratische Bilder. Die meisten Bilder, die wir fotografieren, egal ob Selfies mit der Handykamera oder beim professionellen Fotoshooting mit der Spiegelreflex, sind aber rechteckig. Rechteckige Bilder sind auf Instagram irgendwie unpraktisch. Man kann sie so vergrößern, dass man einen quadratischen Ausschnitt postet, aber auch das ist oft nicht ideal, weil Teile des Bildes abgeschnitten werden. Manchmal sind das eben auch wichtige Teile.

Um diese Probleme zu lösen, gibt es Apps, die aus rechteckigen Bildern quadratische Bilder machen. Sie heißen „Square Fit“, „Square Pic“, „InSquare“, „Square Quick“ und dergleichen. Eine sehr gängige Methode ist es, dasselbe Bild noch einmal, vergrößert und unscharf, hinter das eigentliche Bild zu legen, so dass bei Hochformatbildern rechts und links, bei Querformatbildern oben und unten Balken entstehen, die jeweils einen Teil des Originalbildes unscharf enthalten.

Das kann ganz schön aussehen, wenn man es richtig macht. Benutzt man blind die Voreinstellung der App oder achtet nicht auf gewisse Dinge, kann diese Methode ein Bild aber auch total zerstören. Besonders dann, wenn die künstlich hinzugefügten Randbereiche stark vom eigentlichen Bild ablenken.

Kriterien

Ich zähle hier mal ein paar meiner eigenen Kriterien auf, nach denen ich ein mit dieser Methode verändertes Bild bewerte. Wenn ich so ein Bild sehe, habe ich spontan einen Eindruck. „Super gemacht“ oder „Total zerstört“. Dazwischen gibt es nicht viel.

Grundsätzlich gilt: Dieser hinzugefügte Hintergrund ist nur „optisches Füllmaterial“. Er sollte also so gestaltet sein, dass er von den Augen des Betrachters noch als einigermaßen realistischer Bildinhalt wahrgenommen wird oder aber komplett ignoriert werden kann.

  • Für mich sollte dieser unscharfe Hintergrund eine Art „Bett“ fürs Bild sein, in das sich das Bild gemütlich hineinlegen kann. Eine Art „ambient light“, das die Grundstimmung des eigentlichen Bildhintergrundes aufgreift und räumlich erweitert.
  • Auf gar keinen Fall darf dieser unscharfe Hintergrund Teile des Hauptmotivs unscharf wiederholen, wie z.B. die Arme oder den Kopf der abgebildeten Person. No Go! Schon gar nicht, wenn diese Motivteile im eigentlichen Bild schon mit Hintergrund umgeben sind. Berühren sie den Bildrand, kann man evtl. eine Ausnahme machen. Aber das funktioniert auch nur ganz selten gut.
  • Ist ein Horizont im Bild zu sehen, musst du darauf achten, dass der Horizont im unscharfen Hintergrund als Linie fortgeführt wird. Keine Horizont-Treppe bauen!
  • Der Grad der Unschärfe muss sinnvoll gewählt sein. Der Übergang vom eigentlichen Bild zum neuen Hintergrund sollte meist nicht zu abrupt sein (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ist der Hintergrund aber zu scharf, lenken Bilddetails auf dem Hintergrund vom Motiv ab.
  • Manchmal ist es besser, statt des unscharfen Bildes einen anderen Hintergrund zu wählen. Es gibt durchaus attraktive Alternativen! z.B. einfarbige Hintergründe.
  • Ein dunkler Hintergrund lässt das Bild heller erscheinen, ein heller Hintergrund lässt es dunkler erscheinen. Was passt zum Bild und zur Stimmung?

Das alles war dir zu abstrakt? Dann sieh dir die folgenden Beispiele an!

Beispiele

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Fazit

Wenn du als (Hobby-)fotograf deine Bilder auf instagram präsentierst, kann es durchaus sinnvoll sein, das Bild nicht einfach quadratisch zu beschneiden oder im Original-Format zu posten, sondern mittels so einer App das Bild quadratisch „aufzuwerten“. Aber vergiss dabei nicht all die Kriterien, nach denen du auch das Foto an sich bewertest. Du hast ja einen Blick dafür, wie du das Bild machst. Du gestaltest es (intuitiv oder ganz bewusst) nach gewissen Kriterien. Wende diese Kriterien auch auf das Gesamtbild an, das die App dir erzeugt! Betrachte es kritisch, bevor du es postest. Nutze die Möglichkeiten der App, die Bearbeitung dem Bild anzupassen:

  • Probiere verschiedene Unschärfe-Grade.
  • Vergrößere und verschiebe das Originalbild ein wenig, bis der Horizont wieder eine Linie ergibt.
  • Verwende statt des rechteckigen Layouts (Hochformat oder Querformat) auch mal eine kreisförmige Maske oder sogar herz oder Stern, wenn du dich traust 😉
  • Nutze einen Rahmen, um das Originalbild zu betonen und vom unscharfen Hintergrund gezielt abzugrenzen.
  • Nutze statt des unscharfen Bildes als Hintergrund auch mal eine Farbfläche oder einen Farbverlauf. Je nach Bildinhalt / Motiv kann das sehr viel besser funktionieren als dasselbe Bild unscharf im Hintergrund.

Mehr zum Thema

Hintergrundunschärfe in der Fotografie („Bokeh“) ist ein wichtiges Gestaltungsmittel. Lies mehr dazu in meinem Artikel:

MOF#011 Was ist ein schönes Bokeh?

Und wenn du wissen möchtest, wie ich es mache, sieh dir die neueren Beiträge auf meinen Instagram-Accounts an (die älteren sind zumeist nur vergrößert-quadratisch):

https://www.instagram.com/danielhertrich.making_of_foto/

https://www.instagram.com/colors.and.faces.from.germany/

https://www.instagram.com/traumhochzeits.fotos.bayern/

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