MOF#017 Test des günstigen Sony 50mm f/1.8 für Vollformat (SEL50F18F)

Kurzer Erfahrungsbericht zum Objektiv Sony FE 1.8/50mm (SEL50F18F) für Vollformat, das es gestern, am 23.11.2018, bei Amazon zum Knüllerpreis von 159€ gab (Amazon-Affiliate-Link).

Achtung: Dieses Objektiv bitte nicht verwechseln mit dem Sony 50mm f/1.8 für APS-C, dem SEL50F18 (ohne das abschließende „F“) für knapp 300€, das mit einem Bildstabilisator ausgestattet ist. (Amazon-Affiliate-Link). Bei dem hier getesteten Objektiv handelt es sich um das SEL50F18F, ein vollformat-taugliches 50mm-Objektiv ohne Bildstabilisator, das 2016 auf den Markt kam.

Übrigens: Das entsprechende Objektiv von Canon, das Canon EF 50mm 1:1.8 STM (Amazon Affiliate Link) kostet regulär nur knapp über 100€ und ist als lichtstarker Allrounder sehr beliebt. Die Objektive von Sony sind generell etwas teurer als die von Canon oder Nikon. Hier ist das Sony-Objektiv selbst mit diesem Sonderpreis noch deutlich teurer als das Canon. Hier kannst du die Abbildungsqualität der beiden „Geschwister“ direkt vergleichen. Das Sony hat die Nase vorn, was den höheren Preis rechtfertigt. Die technischen Daten der Objektive sind jedoch quasi identisch.

Disclaimer: Dieser Test ist unabhängig. Ich wurde weder von Sony noch von anderen Herstellern in irgend einer Weise beeinflusst.

Preis

Inzwischen kostet das Objektiv schon wieder 199€ (regulärer Straßenpreis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels). Aber den Amazon-Rezensionen nach zu urteilen, wird der Preis ab und zu mal auf 159€ gesenkt, nicht nur gestern. Also dran bleiben, wenn du Interesse hast! Die UVP liegt bei ca. 300€. So viel würde ich für dieses Objektiv aber keinesfalls ausgeben. Dazu ist es dann doch nicht hochwertig genug. Ist auch nicht nötig, der Straßenpreis liegt ja inzwischen regulär bei 199€. Für 159€ wirklich ein „Nobrainer“. Für 199€ sollte man sich schon überlegen, ob man es wirklich haben möchte. Für APS-C wäre dann das SEL50F18 mit integriertem Bildstabilisator und flotterem Autofokus für knapp 300€ vielleicht empfehlenswerter.

Meine Motivation zum Kauf

Ich habe bisher mit meinem guten alten Canon 50mm f/1.4 USM (Preis: knapp 400€) auf meinen Sonys (A6000, A7R II und A7 III) fotografiert, adaptiert mittels Metabones- bzw. Viltrox-Adapter. Wie gut das funktioniert, kannst du hier in meinem großen EF-NEX-Adaptertest nachlesen. 
 
Das Sony SEL50F18 habe ich mir als Ersatz für das Canon zugelegt, in der Hoffnung, damit einen noch zuverlässigeren und schnelleren Autofokus und etwas bessere Abbildungsqualität zu erhalten. Gemäß diesem Vergleich auf the-digital-picture.com ist die Abbildungsqualität des Sony abgeblendet geringfügig besser als die des Canon 50mm f/1.4, besonders im offenblendigen Bereich sogar deutlich besser. 
Auch das Review von Krolop & Gerst von 2016 spricht eine eindeutige Sprache zum Thema Abbildungsqualität.
 
Das Bokeh ist bei beiden Objektiven (also Canon 50mm f/1.4 und Sony SEL50F18) relativ ähnlich, für mich ist das Bokeh also kein Grund, das eine oder das andere Objektiv zu bevorzugen.
 
Die größere Offenblende des Canon (f/1.4 vs. f/1.8 beim Sony) ist für mich ebenfalls kein Grund, denn die ist eigentlich nur in sehr schlechten Lichtverhältnissen relevant, und in denen funktioniert der Autofokus des adaptierten Canon auf den Sony-Kameras sowieso mehr schlecht als recht. Zudem hat das Canon offenblendig große Schwächen bei der Schärfe und den Bilddetails, daher ist es sowieso bei f/1.4 kaum verwendbar und man muss mindestens auf f/1.8 abblenden. Das Sony ist offenblendig, also bei f/1.8 schon sehr gut verwendbar, was die Schärfe betrifft.
 

Meine Erfahrungen beim Testen

👎 Beim Auspacken und bei der ersten Inbetriebnahme an der A7 III dachte ich noch „oh Gott, ich schicke es zurück und bleibe beim Canon“. Im Vergleich zum gerade erst von mir so richtig liebgewonnenen Canon 50mm f/1.4 wirkt das Sony auf den ersten Blick minderwertig. Es ist sehr leicht und komplett aus Plastik, nur das Bajonett ist aus Metall gefertigt. Der Fokusring hat keine Entfernungsskala.

👎Der Autofokus des SEL50F18F pumpt immer etwas im Modus AF-S, denn es wird hier offenbar nur Kontrastautofokus verwendet, während die Canon-Kombi mit Phasen-AF arbeitet, was in vielen Situationen flotter ist. Im Modus AF-C (Continuous AF) arbeitet das SEL50F18 jedoch mit Phasen-AF, was einen sehr gut funktionierenden Folge-Autofokus ermöglicht. Das dürfte besonders Filmer freuen. Als Portraitfotograf überlege ich mir nun, ob ich, zumindest mit diesem Objektiv, dann doch mehr mit AF-C fotografiere. Das ist ja auch sinnvoll, denn Menschen bewegen sich immer ein klein wenig. 

👍 Der Autofokus des Sony ist im Modus AF-S im Mittel etwa genauso schnell oder langsam wie der der Canon-Adapter-Kombi mit Phasen-AF. Aber es gibt weniger „Ausreißer“, wo ein Fokus erst nach mehrmaligem Pumpen gefunden wird. Das kann beim Canon manchmal frustrierend sein. Beim Sony passiert das nicht. Es ist berechenbarer. Auch auch im Modus AF-S ein Pluspunkt fürs Sony.

👍 Das Sony erlaubt alle Autofokus-Modi, während das Canon kein AF-A und DMF erlaubt. DMF nutze ich sehr gerne. Besonders, wenn ich sehr offenblendig arbeite. Wenn ich beim Sony DMF einstelle, fokussiert der AF vor und sobald ich den Fokusring drehe, um nachzufokussieren, aktiviert sich die Fokus-Lupe und das Fokus-Peaking automatisch. So soll es sein! Großer Pluspunkt fürs Sony!

👍 An der A6000 funktioniert das Sony um Längen besser als das adaptierte Canon. Der AF ist dort viel schneller und zuverlässiger.

👍 Das, was das Sony auf den ersten Blick so minderwertig macht, nämlich das geringe Gewicht, ist auf der anderen Seite natürlich ein großer Vorteil. Besonders auf der A6000 macht es die Kamera-Objektiv-Kombi zu einem echten Leichtgewicht. Mit Canon-Objekitv und Canon-Adapter wiegt die Kamera fast 700g, mit dem Sony-Objektiv nur 500g. Das klingt nach einem geringen Unterschied, gefühlt ist er aber riesig. Natürlich machen sich die 200g Differenz beim Objektiv auch an den etwas schwereren Kameras der A7-Reihe bemerkbar.

👉 Zur Abbildungs- und Bokehqualität kann ich noch nicht viel aus eigener Erfahrung sagen. Daher gibt es hier auch keine Vergleichsbilder. Da verlasse ich mich vorerst auf die oben verlinkten Vergleichsbilder, meinen subjektiven Eindruck bei einigen Testfotos auf meiner Terrasse bei grauem Novemberwetter sowie auf Erfahrungsberichte, die ich gelesen habe. Aber beim nächsten Portraitshooting werde ich vielleicht beide Objektive mal mitnehmen und direkt vergleichen.

Meine Meinung zu den durchwachsenen Amazon-Rezensionen

Bei Amazon liest man von sehr guten bis zu sehr schlechten Bewertungen alles mögliche. Meine Meinung dazu: Man muss den Preis im Auge behalten. Das Objektiv ist natürlich nicht vergleichbar mit den Zeiss GM-Linsen, Sigma Art oder anderen teuren Objektiven. Wer oft mit so hochwertigen Objektiven arbeitet, daher daran gewöhnt ist und dann hofft, hier ein ebenso hochwertiges Schnäppchen zu machen, der irrt sich gewaltig. Von daher: Auf dem Teppich bleiben! Für 150-200€ bekommt man hier ein wirklich gutes Objektiv, das für Hobbyfotografen, aber auch für einige Profi-Portraitfotografen sehr gut geeignet ist. Die Abbildungsleitung / Schärfeleistung ist nicht vergleichbar mit einer GM-Linse, aber das ist ja z.B. in der Portraitfotografie oft auch gar nicht nötig bzw. es kann sogar hinderlich sein, wenn das Objektiv zu scharf abbildet. Wer den Charme dieser Klasse von Objektiven mag, der ist mit dem SEL50F18F bestens bedient. Wer ihn nicht mag, sollte lieber die Finger davon lassen. Ganz unabhängig vom Preis.

Fazit

Die Vorteile des Sony SEL50F18F gegenüber dem adaptierten Canon 50mm f/1.4 USM überwiegen für mich klar. Ich werde mich vom Canon also trennen. Zumal der Sonderpreis von 159€ für das Sony allemal ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Es ist vielleicht noch nicht mein Traum-50mm-Objektiv. Aber das kann man für den Preis auch nicht erwarten. Ich werde es überwiegend als Portraitobjektiv an der A6000 (APS-C, also wie 75mm an Vollformat) auf Reisen verwenden, denke ich. Und auch als „Normalobjektiv“ auf der A7 III (Vollformat) bei Peopleshootings und auf Hochzeiten in der dunklen Kirche. Es ist so kompakt und leicht, dass es immer noch mit in die Tasche passt. Wenn man keine besonders hohen Ansprüche an die AF-Geschwindigkeit und an absolute Schärfe hat, und wenn einem dafür Kompaktheit und kleines Gewicht wichtig sind, ist dieses Objektiv empfehlenswert.

Kommentiere diesen Beitrag! Ich bin gespannt auf deine Meinung!

Nimm Kontakt zu mir auf!

Du hast eine Frage oder möchtest mir etwas mitteilen? Dann tu das doch gleich hier:

Nicht lesbar? Text ändern. captcha txt
EF-NEX-Adapter Test