MOF#017 Test des günstigen Sony 50mm f/1.8 für Vollformat (SEL50F18F)

Erfahrungsbericht zum preisgünstigen Objektiv Sony FE 1.8/50mm (SEL50F18F) für Vollformat und APS-C. Aktueller Straßenpreis ca. 190€. (Amazon-Affiliate-Link).

Achtung: Dieses Objektiv bitte nicht verwechseln mit dem Sony 50mm f/1.8 für APS-C, dem SEL50F18 (ohne das abschließende „F“) für knapp 300€, das mit einem Bildstabilisator ausgestattet ist. (Amazon-Affiliate-Link). Bei dem hier getesteten Objektiv handelt es sich um das SEL50F18F, ein vollformat-taugliches 50mm-Objektiv ohne Bildstabilisator, das 2016 auf den Markt kam.

Alle hier von mir beschriebenen Erfahrungen basieren auf der Objektiv-Firmware Ver.03. Falls deine Erfahrungen mit dem AF des Objektivs schlechter sind als hier beschrieben, hast du vielleicht eine ältere Firmware. Das Update findest du hier. Du kannst die Version der Objektiv-Firmware im Kameramenü überprüfen, wenn das Objektiv mit der Kamera verbunden ist (Menüpunkt „Version“).

Übrigens: Das entsprechende Objektiv von Canon, das Canon EF 50mm 1:1.8 STM (Amazon Affiliate Link) kostet regulär nur knapp über 100€ und ist als lichtstarker Allrounder sehr beliebt. Die Objektive von Sony sind generell etwas teurer als die von Canon oder Nikon. Hier ist das Sony-Objektiv selbst mit dem gelegentlichen Sonderpreis von ca. 150-160€ noch deutlich teurer als das Canon. Hier kannst du die Abbildungsqualität der beiden „Geschwister“ direkt vergleichen. Das Sony hat die Nase vorn, was den höheren Preis rechtfertigt. Die technischen Daten der Objektive sind jedoch quasi identisch.

Disclaimer: Dieser Test ist unabhängig. Ich wurde weder von Sony noch von anderen Herstellern in irgend einer Weise beeinflusst.

Preis

Der reguläre Straßenpreis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels liegt bei ca. 190€. Aber den Amazon-Rezensionen nach zu urteilen, wird der Preis ab und zu mal auf 159€ gesenkt. Ich habe das Objektiv während einer Amazon-Aktion für diesen Preis erstanden. Also dran bleiben, wenn du Interesse hast! Die UVP liegt bei ca. 300€. So viel würde ich für dieses Objektiv aber keinesfalls ausgeben. Dazu ist es dann doch nicht hochwertig genug. Für 159€ ist es jedoch wirklich ein „Nobrainer“. Für 199€ sollte man sich schon überlegen, ob man es wirklich haben möchte. Für APS-C wäre dann das SEL50F18 (ohne abschließendes „F“) mit integriertem Bildstabilisator und flotterem Autofokus für knapp 300€ vielleicht attraktiver.

Meine Motivation zum Kauf

Ich habe bisher mit meinem guten alten Canon 50mm f/1.4 USM (Preis: knapp 400€) auf meinen Sonys (A6000, A7R II und A7 III) fotografiert, adaptiert mittels Metabones- oder Viltrox-Adapter. Wie gut das funktioniert, kannst du hier in meinem großen EF-NEX-Adaptertest nachlesen. 
 
Das Sony SEL50F18F habe ich mir als Ersatz für das Canon zugelegt, in der Hoffnung, damit einen noch zuverlässigeren und schnelleren Autofokus und etwas bessere Abbildungsqualität zu erhalten. Gemäß diesem Vergleich auf the-digital-picture.com ist die Abbildungsqualität des Sony abgeblendet geringfügig besser als die des Canon 50mm f/1.4 und im offenblendigen Bereich sogar deutlich besser. 
Auch das Review von Krolop & Gerst von 2016 spricht eine eindeutige Sprache zum Thema Abbildungsqualität.
 
Das Bokeh ist bei beiden Objektiven (Canon 50mm f/1.4 und Sony SEL50F18F) relativ ähnlich, für mich ist das Bokeh also kein Grund, das eine oder das andere Objektiv zu bevorzugen.
 
Die größere Offenblende des Canon (f/1.4 vs. f/1.8 beim Sony) ist für mich ebenfalls kein Grund, das Canon zu bevorzugen, denn die ist eigentlich nur in sehr schlechten Lichtverhältnissen relevant. Das liegt daran, dass das Objektiv offenblendig relativ unscharf abbildet, also will man etwas abblenden, um ein schärferes ild zu erhalten. Außerdem funktioniert der Autofokus des adaptierten Canon auf den Sony-Kameras bei Offenblende sowieso mehr schlecht als recht. Das Sony ist offenblendig, also bei f/1.8 schon recht gut verwendbar, was die Schärfe betrifft.
 

Ein tolles Portraitobjektiv an APS-C!

Nachtrag, Januar 2020: Mittlerweile benutze ich das SEL50F18F sehr gerne an meiner Sony A6000 als Portraitobjektiv. Die Kombi ist extrem kompakt und leicht (nur ca. 500g) und ist deshalb auch im kleinen Gepäck einfach oft dabei. Bei nicht zu schwachem Licht funktioniert der Autofokus im Modus AF-C und mit der Gesichtserkennung der A6000 sehr gut. Allemal ausreichend für Portraitshootings ohne viel Bewegung. Die Ergebnisse sind in Sachen Bokeh und Schärfe wunderbar – für den Preis absolut akzeptabel.

Mir macht es inzwischen großen Spaß, mit der dieser Kombi zu arbeiten. Es ist natürlich ein anderes Feeling als mit einer Alpha 7III und dem 70-200mm f/2.8 GMaster. Aber kein schlechtes. Im Gegenteil.

Galerie: Das SEL50F18F an der Sony A6000 als Portraitobjektiv

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Meine Erfahrungen beim Testen

👎 Beim Auspacken und bei der ersten Inbetriebnahme an der A7 III dachte ich noch „oh Gott, ich schicke es zurück und bleibe beim Canon“. Im Vergleich zum gerade erst von mir so richtig liebgewonnenen Canon 50mm f/1.4 wirkt das Sony auf den ersten Blick minderwertig. Es ist sehr leicht und komplett aus Plastik, nur das Bajonett ist aus Metall gefertigt. Der Fokusring hat keine Entfernungsskala.

👍 Das geringe Gewicht ist auf der anderen Seite natürlich ein großer Vorteil. Besonders auf der A6000 macht es die Kamera-Objektiv-Kombi zu einem echten Leichtgewicht. Mit Canon-Objekitv und Canon-Adapter wiegt die Kamera fast 700g, mit dem Sony-Objektiv nur 500g. Das klingt nach einem geringen Unterschied, gefühlt ist er aber riesig. Natürlich machen sich die 200g Differenz beim Objektiv auch an den etwas schwereren Kameras der A7-Reihe bemerkbar.

👎👍 Der Autofokus des SEL50F18F pumpt immer etwas im Modus AF-S, denn es wird hier offenbar nur Kontrastautofokus verwendet, während die Canon-Kombi mit Phasen-AF arbeitet, was in vielen Situationen flotter ist. Auch andere Sony-Objektive sind i.d.R. flotter. Im Modus AF-C (Continuous AF) arbeitet das SEL50F18F jedoch mit Phasen-AF, was einen sehr gut funktionierenden Folge-Autofokus ermöglicht. Das dürfte besonders Filmer freuen. Als Portraitfotograf nutze ich mit diesem Objektiv inzwischen auch nur noch AF-C. Das funktioniert wirklich wunderbar.
Achtung: Der Kontrastautofokus ist generell präziser als der Phasenautofokus. Aus diesem Grund arbeiten Sony-Kameras bevorzugt mit Kontrast-Autofokus, was bei Objektiven mit langsamem Fokusmotor besonders auffällt gegenüber dem Phasen-Autofokus. Nur bei wirklich gutem Licht und relativ offener Blende wird der schnellere Phasen-Autofokus verwendet. 

👍 Die Abbildungsaqualität ist – den geringen Preis immer im Hinterkopf – sehr gut. Natürlich kommt es niemals an die Abbildungsqualität eines Zeiss GMaster oder der meisten anderen teureren Objektive heran. Aber mal ehrlich: Braucht man immer maximale Schärfe? Bei Portraits ist maximale Schärfe manchmal gar nicht vorteilhaft: Man sieht jede kleinste Hautunreinheit. Eine ganz leichte Unschärfe lässt Portraits oft vorteilhafter wirken. Und wenn ich maximale Schärfe brauche, z.B. bei Produktfotografie oder meinen Gigapixelpanoramen, benutze ich eben ein anderes Objektiv.

👍 Das Bokeh bei Offenblende sieht schön aus. Auch hier sind für den Preis natürlich keine Wunder zu erwarten, aber ich finde das Bokeh absolut brauchbar. Es ist angenehm weich und hat keine (positiven oder negativen) Auffälligkeiten.

Noch ein paar Punkte speziell im Vergleich zum adaptierten Canon:

👍 Der Autofokus des SEL50F18F ist im Modus AF-S im Mittel etwa genauso schnell oder langsam wie der der Canon-Adapter-Kombi mit Phasen-AF. Aber es gibt weniger „Ausreißer“, bei denen ein Fokus erst nach mehrmaligem Pumpen gefunden wird. Das kann beim Canon manchmal frustrierend sein. Beim Sony passiert das nicht. Es ist berechenbarer. Auch auch im Modus AF-S ein Pluspunkt fürs Sony.

👍 Das Sony erlaubt alle Autofokus-Modi, während das Canon kein AF-A und DMF erlaubt. DMF nutze ich sehr gerne. Besonders, wenn ich sehr offenblendig arbeite. Wenn ich beim Sony DMF einstelle, fokussiert der AF vor und sobald ich den Fokusring drehe, um nachzufokussieren, aktiviert sich die Fokus-Lupe und das Fokus-Peaking automatisch. So soll es sein! Großer Pluspunkt fürs Sony!

👍 An der A6000 funktioniert das Sony um Längen besser als das adaptierte Canon. Der AF ist dort viel schneller und zuverlässiger.

Meine Meinung zu den durchwachsenen Amazon-Rezensionen

Bei Amazon liest man von sehr guten bis zu sehr schlechten Bewertungen alles mögliche. Meine Meinung dazu: Man muss den Preis im Auge behalten. Das Objektiv ist natürlich nicht vergleichbar mit den Zeiss GM-Linsen, Sigma Art oder anderen teuren Objektiven. Wer oft mit so hochwertigen Objektiven arbeitet, daher daran gewöhnt ist und dann hofft, hier ein ebenso hochwertiges Schnäppchen zu machen, der irrt sich gewaltig. Von daher: Auf dem Teppich bleiben! Für 150-200€ bekommt man hier ein wirklich gutes Objektiv, das für Hobbyfotografen, aber auch für einige Profi-Portraitfotografen sehr gut geeignet ist. Wer den Charme dieser Klasse von Objektiven mag, der ist mit dem SEL50F18F bestens bedient. Wer ihn nicht mag, sollte lieber die Finger davon lassen. Ganz unabhängig vom Preis.

Fazit

Die Vorteile des Sony SEL50F18F gegenüber dem adaptierten Canon 50mm f/1.4 USM überwiegen für mich klar. Ich werde mich vom Canon also trennen. Zumal der Sonderpreis von 159€ für das Sony allemal ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Es ist vielleicht noch nicht mein Traum-50mm-Objektiv. Aber das kann man für den Preis auch nicht erwarten. Ich werde es überwiegend als Portraitobjektiv an der A6000 (APS-C, also wie 75mm an Vollformat) auf Reisen verwenden, denke ich. Und auch als „Normalobjektiv“ auf der A7 III (Vollformat) bei Peopleshootings und auf Hochzeiten in der dunklen Kirche. Es ist so kompakt und leicht, dass es immer noch mit in die Tasche passt. Wenn man keine besonders hohen Ansprüche an die AF-Geschwindigkeit und an absolute Schärfe hat, und wenn einem dafür Kompaktheit und kleines Gewicht wichtig sind, ist dieses Objektiv empfehlenswert.

Übrigens…

Ich darf an dieser Stelle auf eine einzigartige Sammlung von E-Mount-Objektiven für Sony-Kameras verweisen, in aufwendiger Recherchearbeit von den Kollegen vom Blog sonntagmorgen.com zusammengetragen. Wer weiß, was er für ein Objektiv haben will, dem hilft diese Liste dabei, die relevanten Objektive zu finden, nicht nur von Sony, sondern auch diejenigen von Fremsherstellern. Und wer es nicht weiß, kann einfach durch die Liste scrollen und sich inspirieren lassen. 🙂

Anzeigen von 3 Kommentaren
  • Mary Pijls
    Antworten

    👍 Hallo Herr Hertrich

    Danke für mich als Leihe sehr gut zu lesen.
    LG Mary Pijls

    • Daniel Hertrich
      Antworten

      Hallo Mary, danke für deine Rückmeldung. Freut mich sehr, wenn es dir weiterhilft!
      LG Daniel

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